Terminologie + KI als Treiber für bessere Kommunikation und Prozesse bei Geberit
Branche
Produktion/Fertigung
Herausforderung
Als internationaler Konzern mit einer komplexen Produktlandschaft arbeitet das Terminologieteam nicht nur mit vielen Abteilungen, sondern auch vielen verschiedenen Standorten zusammen. Ohne klar definierte Prozesse und ein performantes System kann es so schnell zu Inkonsistenzen und Nachbearbeitungen kommen. Durch die Einführung von KI und regelmäßigen Hackathons sind die Anforderungen an korrekte und präzise Terminologiedaten noch weiter gestiegen.
Ergebnis
Durch den langjährigen Einsatz von Quickterm kann das Terminologieteam die Qualität liefern, die benötigt wird, um die Kommunikation im gesamten Unternehmen konsistent zu gestalten. Automatisierte Workflows und KI-gestützte Features sparen Zeit und steigern die Akzeptanz bei Nutzenden. Der unternehmensweiten Einsatz von KI kann durch die bestehenden, umfangreichen Terminologiedaten maßgeblich gefördert werden.
Produkte
Quickterm, Workflows Pro, Concept Maps
Terminologie spielt auch bei KI eine wichtige Rolle für Geberit.
Dino Ferrari
Terminologist @ Geberit
Kernpunkte
Vielfalt: Das Terminologieteam arbeitet mit verschiedenen Abteilungen, wie Technische Redaktion, Produktmanagement, Entwicklung und Marketing, eng zusammen.
Skalierung: Die mehrsprachige Produktlandschaft und Kommunikation erfordert ein performantes und robustes System, das alle Abteilungen und über 800 Nutzende miteinbezieht.
Governance: Zentrale Prozesse verhindern Inkonsistenzen, Doppelarbeit und hohe Nachbearbeitungskosten.
KI-Nutzung: Durch die Kombination von zentralem Terminologiemanagement und KI‑gestützten Prozessen entsteht ein multiplikativer Effekt: Jede Abteilung profitiert von sauberer Terminologie, während KI‑Anwendungen gleichzeitig deren Qualität sichern und erweitern.
Geberit setzt daher auf ein holistisches Terminologiemanagement, das über reine Glossare weit hinausgeht und Terminologie in die DNA des Unternehmens einbettet. Auf Quickterm, der Terminologiemanagement-Plattform von Kaleidoscope, basiert die zentrale Termbank GebTerm, die seit 2005 gepflegt wird und aktuell über 15.000 Einträge mit über 140.000 Termini in 32 Sprachen enthält.
Qualität, Vollständigkeit, Relevanz und Nutzung
Geberit nutzt strukturiertes Terminologiemanagement kombiniert mit künstlicher Intelligenz, um die Qualität, Effizienz und unternehmensweite Konsistenz von Produktinformationen und Kommunikation zu steigern. Mit GebTerm verfügt Geberit über eine zentrale Termbank, die weltweit im ganzen Unternehmen genutzt wird. Dafür hauptverantwortlich ist der Terminologiedienst als Teil von Language Services in der Abteilung Technical Documentation & BIM. Es bestehen direkte Schnittstellen zu Katalogmanagement, Produktmanagement, Master Data Management (MDM), Übersetzung und technischer Redaktion. Das Terminologie-Kernteam besteht aus zwei Personen mit insgesamt 150 Prozent Stellenumfang. Mit weiteren etwa 40 Prozent Kapazität trägt das Übersetzungsmanagement zur Entwicklung und Aktualisierung des Terminologiebestands bei. Unterstützt wird der Sprachendienst durch Fachleute, Produktmanager, Marketingverantwortliche und externe Dienstleister.

Die technische Redaktion gleicht regelmäßig und automatisiert die Terminologie aus Quickterm mit dem Lexikon ihres Redaktionssystems ab, sodass Autorinnen und Autoren bereits beim Schreiben erlaubte und abgelehnte Benennungen sehen. Zusätzlich werden sämtliche Produktdokumentationen, die völlig oder auch nur teilweise neu erstellt werden, vom Terminologiedienst geprüft. „Wir halten das immer noch für sinnvoll und nützlich, weil dort auch immer wieder neue Terminologie vorkommt, die vielleicht in der Entwicklung oder in Zusammenarbeit mit der Konstruktionsabteilung noch nicht festgelegt wurde und so zusammen mit der technischen Redaktion definiert werden kann“, erläutert Geberit Terminologe Dino Ferrari. Diese Terminologieprüfung ist fester Bestandteil des internen Quality-Gate-Prozesses.
Das Katalogmanagement arbeitet im PIM‑System und mit einem Regelwerk zur Produktnamensbildung, das über 100 Regeln enthält. Bei jeder neuen Produktnamenerstellung startet automatisch ein Terminologie-Prüfworkflow, der gemeinsam mit dem Produktmanagement abgearbeitet wird. Das Produkt‑ und Entwicklungsmanagement liefert frühzeitig neue Begriffe, während das Master Data Management (MDM) für die granulare Datenbereitstellung bei Großhändlern und in Online‑Shops sorgt. Schließlich werden in der Übersetzungsumgebung erlaubte und abgelehnte Begriffe beim Lokalisieren angezeigt.
Die terminologisch‑technische Basis für all diese Aktivitäten bildet Quickterm, die Terminologiemanagement-Plattform von Kaleidoscope, auf der GebTerm gepflegt wird. Die Datenstruktur trennt Gruppensprachen (Gruppen-Deutsch und Gruppen-Englisch) von länderspezifischen Bezeichnungen und kennt für jeden Eintrag erlaubte und abgelehnte Benennungen sowie Metadaten wie Sachgebiet, Definition, Termstatus, Quelle und grammatikalische Angaben. Etwa 60 Prozent der Einträge erfüllen die definierten Vollständigkeitskriterien; rund 20 Prozent enthalten zudem Abbildungen. Bei der Pflege wurde Qualität vor Quantität gesetzt: Ziel ist Vollständigkeit, Relevanz, Aktualität und tatsächliche Nutzung.
KI & Terminologie – Terminologie & KI
Auch bei Geberit hat die KI Einzug gehalten, konkret in Form eines fünfköpfigen Teams, das bereichsübergreifende Hackathons ausrichtet. „Diese Hackathons sind sehr begehrt, aber als ich auf sie zugegangen bin, habe ich offene Türen eingerannt, weil sie gemerkt haben, dass Terminologie eine wichtige Rolle spielt und sie die Terminologiedaten für die Hackathons brauchen, etwa für die KI-gestützte schriftliche Kommunikation des Contact Centers, Leistungsbeschreibungen für Bauprojekte usw.“, schildert Dino Ferrari.
Konkret wird dabei die Termbank via Model Context Protocol (MCP) in die KI eingebunden. Das ist bei Quickterm dank des Moduls AI Pro und Terminology-Augmented Generation (TAG) einfach umsetzbar.
Die Hackathons
In Bezug auf Terminologie werden und wurden bei Geberit mehrere Hackathons mit unterschiedlichen Zielsetzungen abgehalten:
- Die Pflege der GebTerm‑Datenbank soll mithilfe von Large Language Models (LLMs, wie z. B. Microsoft Copilot oder Claude) fehlende Entsprechungen in Französisch, Italienisch und weiteren Sprachen vorschlagen. Die Vorschläge werden anschließend in den Vertriebsgesellschaften von Fachleuten validiert.
- Die technische Redaktion erhält Unterstützung bei der Analyse und Festlegung neuer technischer Attribute, um Duplikate, Homonyme und Harmonisierungspotenzial zu erkennen.
- Das Contact Center nutzt KI, um jährlich eine Million Kundenanfragen zu klassifizieren, zu routen und Antwortentwürfe zu erstellen.
- Das Marketingteam lässt KI‑gestützte Texte für Social‑Media, Blogs und Websites generieren.
- Das MDM plant die automatisierte Erstellung von Produktbeschreibungen für etwa 250.000 Artikel in bis zu 32 Sprachen.
Fazit
Durch die Kombination aus zentralem Terminologiemanagement mit Quickterm und KI‑gestützten Prozessen erzielt Geberit mehrere messbare Vorteile.
- Die konsistente Terminologie senkt Nachbearbeitungs‑ und Reklamationskosten, weil Fehler und Missverständnisse reduziert werden.
- Automatisierte Workflows beschleunigen die Erstellung von Produktdokumentationen, Katalogen und Marketing‑Content, wodurch die Time‑to‑Market verkürzt wird.
- Die Qualität steigt, weil einheitliche Fachbegriffe die Rechts‑ und Produktsicherheit erhöhen.
- Skalierbarkeit wird erreicht, da KI‑gestützte Terminologiepflege die Erweiterung auf weitere Sprachen ermöglicht – ganz ohne zusätzliches Personal.
- Außerdem reduziert die Integration der Terminologie in LLM‑Workflows mittels TAG und MCP die Halluzinationen und liefert kontextrelevante, unternehmensgebundene Texte bei geringem Tokenverbrauch.
- Schließlich fördert die Hackathon‑Kultur bereichsübergreifende Innovation und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit.
- Und ganz konkret verankert sich die Terminologieabteilung als zentraler Bestandteil sinnvoller KI-Anwendungen und somit in der Zukunft von Geberit.
